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Das werde ich wirklich oft gefragt und vielleicht interessiert es ja auch Sie:

Welche Aufgaben hat ein:e Bürgermeister:in eigentlich so?

Zunächst bin ich die Vorgesetzte aller Mitarbeiter:innen der Gemeindeverwaltung, zu der auch Bauhof, Kitas und einige Mitarbeitende in den Schulen gehören. In der und für die Gemeinde arbeiten derzeit über 250 Menschen und bringen unterschiedlichste Qualifikationen ein – das finde ich persönlich übrigens extrem spannend. Erzieher:innen, Sekretär:innen, Reinigungskräfte, Hausmeister, Techniker:innen, Garten- und Landschaftsbauer:innen, Straßenwärter:innen, verschiedenste Kaufleute als Quereinsteiger:innen, Verwaltungsleute, eine Juristin, Ingenieur:innen, eine Stadtplanerin – ich hab bestimmt noch etwas vergessen.

Bei der Leitung und Organisation der Verwaltung, des Bauhofs, der Kitas und bei den Aufgaben, die wir als Schulträger haben, werde ich natürlich von einem sehr kompetenten Leitungsteam unterstützt.

Darüber hinaus repräsentiere ich die Gemeinde nach außen. Damit bin ich Ansprechpartnerin für Wirtschaft und Politik – Reden und Grußworte auf Ausstellungen, Vereinsveranstaltungen und Jubiläen gehören aber beispielsweise ebenso zum Repräsentieren.

Im politischen Kontext bin ich für die Vorbereitung und die Umsetzung der Beschlüsse zuständig, die die Gremien treffen. Entscheidungen, die nicht zum laufenden Geschäft der Verwaltung gehören, werden auch nicht von mir getroffen, sondern im Gemeinderat gefällt.

Der Gesetzgeber hat die Kompetenzverteilung zwischen Bürgermeister:in und Gemeinderat klar definiert. Im Gemeinderat habe ich als Bürgermeisterin nur eine Stimme, wie jedes andere Ratsmitglied auch.

In Oyten bin ich als Bürgermeisterin auch Vorsitzende des Verwaltungsausschusses (VA). Der VA ist ein besonderer Ausschuss, ein zwingend vorgeschriebenes eigenständiges Organ mit eigenen Aufgaben und Kompetenzen gegenüber dem Gemeinderat. Dieser Ausschuss ist z.B. zuständig für die Prüfung der Zulässigkeit von Anträgen und auch für die Vorbereitung der Ratsbeschlüsse. Zum VA gäbe es noch einiges mehr zu sagen, aber das hole ich vielleicht eines Tages an anderer Stelle nach.

Ein:e Jurist:in würde jetzt vermutlich weitere Aufgaben und Pflichten eines:einer Bürgermeisters:in ausführen. Aber das ist hier und jetzt gar nicht zielführend.

Mit den drei genannten Schwerpunkten haben Sie eigentlich ein ganz gutes Bild davon, womit ich täglich beschäftigt bin. Ich habe ein „bestelltes Feld“ übernommen, wofür ich sehr dankbar bin. Und doch sehe ich, wo und wie wir besser werden können. Einiges haben wir gemeinsam, als Team, schon auf den Weg gebracht. Nicht immer loyft alles reibungslos und wir brauchen auch noch ein wenig Geduld. Aber ich habe tolle, motivierte und kompetente Mitarbeiter:innen, der Rest ergibt sich.

Seit gut einem Jahr bin ich nun Bürgermeisterin. Erstaunlich oft werde ich gefragt, ob

  1. es so ist, wie ich es mir vorgestellt habe,
  2. es mir gefällt, ich meine Arbeit also gerne mache und
  3. ich nochmal antreten würde, wenn ich wüsste, dass Corona ….

Hier meine Antworten:

  1. in mancherlei Hinsicht: nein 😊.
  2. ja, denn es ist mit Abstand der facettenreichste, vor allem aber sinnhafteste Job, den ich bisher hatte.
  3. schwer zu sagen, vielleicht.