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Es war nur eine Beschlussempfehlung zu fassen in der gestrigen Sitzung des Schulausschusses. In den restlichen Tagesordnungspunkten ging es um Sachstände, Zuhören und Kenntnisnahme. Aus diesem Grund gehe ich hier und heute auch nur auf diesen einen Punkt ein, in dem es natürlich um viel Geld geht.

Grundschule Sagehorn – Anbau/Neubau Mensa

Im Ortsteil Sagehorn haben wir den elternseitigen Bedarf nach Ganztagsbetreuung ihrer Kinder in Kita und in Grundschule schon lange und so bieten wir bereits seit 2015 an der dortigen Grundschule eine offene Ganztagsbetreuung an. Schon damals hat der Gesetzgeber angekündigt, dass Familien sogar einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung auch in Grundschulen kriegen sollen und mögliche Organisationformen des Ganztags definiert. Ab 2026 wird es diesen Rechtsanspruch nun geben. Das ist eine riesige Herausforderungen für die Kommunen, denn nicht nur müssen die das umsetzen, sie müssen es auch bezahlen. Da können wir noch so sehr auf das Konnexitätsprinzip hinweisen, das doch als Grundsatz im Staatsrecht regelt, dass derjenige, der die Musik bestellt, sie auch bezahlen muss.

Für diejenigen, die schon lange nichts mehr mit Schule zu tun haben, hole ich noch einmal ein bisschen aus – denn vielleicht können Sie mit dem Begriff Ganztag nicht so viel anfangen, außer halt, das Kinder dann den ganzen Tag in der Schule sind.

Wenn wir über Ganztag in (Grund-)Schule sprechen, können wir aus 3 Organisationsformen wählen:

  • Offene Ganztagsschule

In der offenen Ganztagsschule ist der Unterricht am Vormittag für alle Schülerinnen und Schüler bis zum Mittag verpflichtend. Was danach kommt jedoch nicht. Das Mittagessen sowie die weiteren außerunterrichtlichen Angebote am Nachmittag, wie z. B die Hausaufgabenbetreuung oder verschiedene AG-Angebote, sind freiwillig. 
Die Angebote am Nachmittag können von Dritten (das kann ein Hort sein oder auch Vereine, Musikschulen oder Ehrenamtliche) organisiert und angeboten werden – innerhalb oder außerhalb der Schule.

Ein auf Flexibilität ausgelegtes Modell.

  • (Teil-)gebundene Ganztagsschule

In der teilgebundenen Ganztagsschule nimmt ein Teil der Schülerinnen und Schüler, zum Beispiel einzelne Klassen oder Klassenstufen, verpflichtend an den Ganztagsangeboten teil. Diese werden an mindestens drei Tagen in der Woche für mindestens sieben Stunden angeboten. Unterricht findet nicht nur vormittags statt.

Schon verbindlicher und mit der Möglichkeit, dank mehr Zeit den Lernstoff zu vertiefen. Trotzdem die Option für Eltern, ihre doch noch kleinen Kinder nachmittags überwiegend zuhause zu haben.

  • Voll gebundene Ganztagsschule

In einer voll gebundenen Ganztagsschule nehmen alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend an den Ganztagsangeboten an mindestens vier Wochentagen teil. An diesen Ganztagsschulen finden Unterricht, außerunterrichtliche Angebote sowie Freizeitaktivitäten und Pausen über den Tag verteilt statt. Zudem gibt es ein gemeinsames Mittagessen.

Die verbindlichste Variante, die viel Zeit bietet, Lernstoff zu vermitteln. Darüber hinaus ist es auch das Modell, das wohl am stärksten die Vereine in die Schulen holt und Kindern so schon früh spannende Angebote unterbreiten kann, ohne, dass die Eltern dafür in der Pflicht sind.

Das dazu. Nähern wir uns also des Pudels eigentlichem Kern.

Da die Grundschule direkt gegenüber der IGS liegt, die eine große Küche mit entsprechendem Personal hat und zumindest damals auch über geeignete und verfügbare Räumlichkeiten verfügte, lag es aus betriebswirtschaftlichen Gründen nahe, dass die Grundschule Sagehorn keine eigene Küche und Mensa kriegt. Die Kinder können ja zum Mittagessen rübergehen.

Bis zu den Corona-Lockdowns ist das auch so praktiziert worden. Mit im Laufe der Jahre deutlich gestiegener Zahl an mittagessenden Grundschülern, wurde das nach all der Zeit dann irgendwann nachvollziehbar als nicht mehr praxistauglich bewertet.

Nach den Lockdowns wurde daher das Mittagessen im Forum (Aula) der Grundschule angeboten. Das Essen kam weiterhin aus der IGS-Küche von gegenüber, wurde aber in der Grundschule ausgegeben und verzehrt. Das Forum ist nicht sehr groß und mittlerweile waren es so viele Schüler, die mittags verköstigt werden müssen, dass das Essen in 4 Schichten erfolgte. Dann kommt es für viele wirklich ganz schön spät. Außerdem: in dieser Variante konnte das Forum fast gar nicht mehr anders genutzt werden, denn es gibt kaum räumliche Reserven für das Wegräumen der Tische und Bänke.

Der langen Rede kurzer Sinn: Verwaltung und Politik haben sich dafür geöffnet, auch in der Grundschule Sagehorn eine Mensa anzubauen. Deshalb haben wir zu einem kleinen Architektenwettbewerb eingeladen und bekamen schließlich 3 Entwürfe vorgelegt.

Im Sinne der zügigen politischen Beratung verfahren wir in solchen Fällen wie folgt: Es gibt einen Arbeitskreis, der mit Vertretern aus dem Ausschuss, der Schule, der jeweiligen Elternschaft und der Verwaltung besetzt ist und sich diese Entwürfe vorab präsentieren lässt, ausführlich diskutiert, abwägt und sich für eine Variante oder zumindest eine Reihenfolge ausspricht. Der Favorit wird dann im Schul-Ausschuss ausführlich vorgestellt und beraten.

Der favorisierte Mensa-Entwurf sieht einen runden Baukörper im ebenfalls runden Innenhof vor. Falls Sie an Details interessiert sind, folgen Sie doch diesem Link.

Er hat aus mehr als einem Grund überzeugt und er ist darüber hinaus der preislich günstigste Entwurf. Aber was heißt schon günstig. Die geschätzten Kosten des favorisierten Models liegen bei sage und schreibe 1,7 Millionen €. Natürlich haben wir das verwaltungsseitig bewertet, denn wir würden es gerne günstiger bauen. Aber in der Grundschule Sagehorn braucht es Mensa-Platz für 250-285 Kinder und bei den lokalen Gegebenheit und der aktuellen Kostenlage landen wir bei der Summe.

Es ist keine leichte Entscheidung, soviel Geld auszugeben. Doch es gilt einen Rechtsanspruch umzusetzen, den Bundestag und Bundesrat beschlossen haben. Und vor diesem Hintergrund hat der gestrige Schulausschuss die Empfehlung ausgesprochen, das runde Modell weiter zu verfolgen und einen konkreten Planungsauftrag zu vergeben, damit dann ein Bauantrag gestellt werden kann.

Diese Schulausschuss-Sitzung hatte eine starke Konkurrenzveranstaltung – das EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn (übrigens der Spruch des Abends: bei den Ungarn spielt ja der Dardai Lama……………natürlich……). Wie unglücklich in der Terminplanung… aber die erledigen wir im Dezember, und da hatten wir das einfach noch nicht auf dem Schirm.

Eventuell haben einige gestern mittels Schnick-Schnack-Schnuck erarbeitet, wer zur Sitzung gehen darf und wer Fußball gucken muss. 😊 Auch das loyft also bei uns.